Am 10. Dezember 03 findet die
Gesamterneuerungswahl des Bundesrates statt. Sie
wird zur Richtungswahl.
von Eva Robmann
Die wählerstärkste Partei, die SVP, fordert
einen zweiten Bundesratssitz auf Kosten der CVP.
Zur Wahl stellt sich der Zürcher Nationalrat und
SVP-Vordenker Christoph Blocher.
Die CVP beharrt auf ihren zwei Bundesratssitzen.
Die Wahl sorgt für Spannung, ihr Ausgang ist
ungewiss.
Wird die seit 1959 bestehende Zauberformel 2
FDP, 2 CVP, 2 SP, 1 SVP gesprengt?
Ein langer Weg zur Zauberformel
Die FDP stellte seit der Gründung des
Bundesstaates 1848 alle sieben Bundesräte. 1874
wurde das Referendumsrecht eingeführt.
Die CVP erhielt 1891 einen Sitz. Damit
sollte die Referendumsflut gestoppt werden.
Einen zweiten Sitz schaffte sie 1919, als die
Proporzwahl für den Nationalrat eingeführt und
die Vorherrschaft der FDP im Parlament gebrochen
wurde.
Die SVP zog 1929 in den Bundesrat ein.
Damals hiess sie noch Bauern-, Gewerbe- und
Bürgerpartei. Die immer noch mächtige FDP
brauchte einen bürgerlichen Bündnispartner, um
die Vorherrschaft im Bundesrat zu erhalten.
Die SP schaffte es 1943 mit einem Sitz
in den Bundesrat, ging 1954 aber wieder in die
Opposition. Dank Absprachen mit der CVP und
gegen den Willen der FDP erhielt sie 1959 zwei
Sitze.
Erfinder der Zauberformel
Die Zauberformel entstand 1959, als vier neue
Bundesräte gewählt werden sollten. Ihr Erfinder
ist der damalige CVP-Generalsekretär Martin
Rosenberg. Er wollte die freisinnige
Übervertretung im Bundesrat beenden.
Wahlabsprachen
Wahlabsprachen mit der CVP verhalfen der seit
28 Jahren wählerstärksten SP 1959 zu zwei
Bundesratssitzen. Die CVP erhielt damit eine
Schlüsselstellung: Sie konnte je nach
Sachgeschäft mal mit der links-Partei, mal mit
den rechts-Parteien
paktieren.
Loyale Zusammenarbeit
Rosenbergs Ziel war eine loyale
Zusammenarbeit der vier grössten Parteien. Die
Zauberformel, welche die Stärke der Parteien im
Bundesrat widerspiegelte, sollte die
Handlungsfähigkeit der Regierung stärken.
Ist der Zauber vorbei?
Die
beiden Pole, SP und Grüne links sowie die SVP
rechts, sind erstarkt aus den Nationalratswahlen
2003 hervorgegangen. Rein rechnerisch widerspiegelt
die Zauberformel den Wählerwillen nicht mehr.
Die Mitte-Parteien FDP und CVP haben
Wähleranteile verloren. Dennoch beharrt die CVP auf
ihren zwei Bundesratssitzen.
Die Debatte, ob die SVP einen zweiten
Bundesratssitz auf Kosten der CVP erhalten solle,
dominiert die Schweizer Politik im Vorfeld der
Bundesratswahlen vom 10. Dezember. Die Diskussionen
drehen sich hauptsächlich um Köpfe, statt um
Inhalte.
Was Blocher will
Der
SVP-Vordenker Christoph Blocher will seit Jahren in den Bundesrat.
Er hat es bereits 1999 erfolglos versucht. Nun pocht
er auf eine Anpassung der Zauberformel an die
Parteienstärke.
Kooperativ gemäss
SVP
Er will nach einer Wahl in die Landesregierung
Gegensteuer geben, zwar kooperativ, aber stets die
SVP-Lösungsansätze im Blick. Er will, dass die
Schweiz zu keinem Verwaltungs- und Allmachtsstaat
wird, der sich dem Diktat aus Brüssel beugt. Und er
will sparen, statt nach dem Giesskannen-Prinzip
ausgeben.
Austritt als Drohung
Sollte das Parlament der SVP keinen zweiten Sitz
gewähren oder Christoph Blocher nicht
berücksichtigen, will sich die Partei aus der
Regierung zurückziehen und ihren Oppositionskurs
noch konsequenter verfolgen.
|